Moin ihr Lieben,
heute erzähle ich euch mal von einer vielleicht etwas verrückten Aktion.
Neben lesen, fotografieren und bloggen gehört ja auch häkeln zu meinen Hobbies. Daher bin ich bei facebook auch in mehreren Häkelgruppen. Dort findet man immer wieder neue Ideen und bekommt Ratschläge bei Problemen. Und manchmal kommen dort auch Aktionen zustande. Wie die von Jenny. Sie hatte die Idee, ein von ihr gehäkeltes Erdmännchen - Enno - auf Deutschlandreise zu schicken und suchte nun "Gasteltern" für den kleinen Mann.
Dazu hat sie dann selber auch eine Facebook-Gruppe gegründet. Diese findet ihr
HIER.
Jeder, der wollte, konnte sich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt bei ihr melden und so hat sie dann eine Reiseroute für Enno erstellt. Ziel ist es, dass das Erdmännchen möglichst viele Orte in Deutschland kennen lernt, man ihm Sehenswürdigkeiten etc zeigt und in sein Reisetagebuch schreibt. Bis Weihnachten soll Enno wieder zurück bei Jenny sein.
Klar, dass ich da auch mitmachen wollte. Und so habe ich mich bei Jenny gemeldet und sie hat mich mit auf die Liste geschrieben.
Das tolle: man muss seine Adresse nicht groß weitergeben. Lediglich derjenige, der einem das Erdmännchen weiterschickt, erfährt diese. Außerdem derjenige, bei dem das Paket mit Enno dann ankommt.
Nachdem Enno seit Februar eher im Osten und im Nordosten unterwegs war (mit einem kurzen Abstecher nach Quatar), kam er dann Anfang Mai bei mir an und durfte ein paar Tage bleiben.
Und so habe ich mich dann mit Erdmännchen und Kamera bewaffnet und Enno, sowie allen "Reisebegleitern" in der Gruppe das schöne Städtchen Norden gezeigt.
Zunächst aber bot es sich an Ennos Ankunftstag an, mit ihm nach Norddeich zu radeln, um uns den Sonnenuntergang anzuschauen. Und der war wirklich gewaltig schön!
Wie ich da so im Watt kniete und ein Häkeltier fotografierte, zog schon so einige irritierte Blicke an, aber das war mir egal. Sollten die doch gucken :D
Ich konnte mich nicht entscheiden, welches der Bilder ich nun einstellen will ;)
Anschließend bin ich mit dem kleinen Kerl noch zum Hafen gegangen und habe ihm die Fähren und Yachten gezeigt.
Die zwei Tage drauf waren eher unspektakulär. Ich musste arbeiten und habe das Erdmännchen nur einmal mit in den Laden genommen.
Am Wochenende war dann aber wieder mehr Zeit. Und so habe ich dann mit Enno eine kleine Stadtführung veranstaltet. Das Wetter war leider nicht so berauschend, daher ist die Führung kürzer ausgefallen, als ich wollte. Aber ich kopiere euch meine Texte einfach mal hier rein. Vielleicht könnt ihr ja auch noch etwas über Norden lernen:
Unsere Stadtführung begann bei den Norder Zwillingsmühlen. Bekannt sind ja eher die
Greetsieler Zwillingsmühlen - vor allem, nachdem im Jahr 2013 eine der
beiden Mühlen schwer beschädigt wurde. Seit dem letzten Sommer ist die
Greetsieler Mühle aber wieder vollständig.
Aber wie gesagt, auch
Norden hat Zwillingsmühlen. Die Frisia-Mühle beim Einkaufszentrum Norder
Tor und die Deichmühle gegenüber. Die Frisia-Mühle ist die jüngere der
beiden. Sie steht dort seit etwa 1700 dort an ihrer Stelle.
Die
Deichmühle gibt es auch seit dem 16. Jahrhundert. Allerdings soll an der
selben stelle bereits seit dem 13. Jahrhundert eine Bockwindmühle
gestanden haben, die allerdings zerstört wurde.
Doch so, wie sie
jetzt dort steht, gibt es sie erst seit dem Jahr 1900. Dort wurde sie
nämlich vom der Familie Meyer gekauft, abgerissen und so, wie sie jetzt
dort steht, wieder aufgebaut. Bis heute hat sie weitere Male den
Besitzer gewechselt. Seit 1974 ist sie aber im Besitz der Familie Wagner
und ist auch wieder voll funktionstüchtig. Sie beherbergt inzwischen
eine ganze Reihe historischer Müllermaschinen.
Gegenüber des
Norder Tors und der Frisiamühle findet sich kurz vor der Brücke über das
Norder Tief übrigens eine riesige Flasche Doornkaat. Doornkaat ist ein
dreifach gebrannter Korn, der seit 1806 in Norden gebrannt wurde.
Inzwischen ist der Korn deutschlandweit bekannt.
Nicht zuletzt auch
durch Hape Kerkelings Figur Horst Schlämmer, der sich gerne mal vor
laufender Kamera einen Doornkaat genehmigte. Nachdem das Unternehmen
allerdings in den 1970er und 1980er Jahren immer weiter in eine
wirtschaftliche Schieflage geriet, wurde Doornkaat 1992 an Berentzen
verkauft, die den Korn heute auch weiterhin produzieren.
Die diversen Unterführungen der Doornkaatstraße führen unter der Fabrik durch
Das alte
Brauereigelände liegt seitdem brach und es ist inzwischen auch
größtenteils verboten, das Gelände zu betreten, da die Verletzungsgefahr
einfach zu hoch ist. Seit einiger Zeit wird in der Stadt wieder heiß
diskutiert, was denn nun mit diesem Gelände geschehen soll. Ideen sind
viele da, aber so ganz einfach ist es nicht, da das Gelände bzw. die
Gebäude zum Teil unter Denkmalschutz stehen.
Nach dem Besuch bei den Mühlen und der Doornkaatflasche waren wir am Norder Hafen.
Früher, als es den Hafen in Norddeich noch nicht gab und auch die Stadt
und Wassergrenzen anders verteilt waren, war der Norder Hafen für
Norden und umzu wirtschaftlich unheimlich wichtig.
Unter anderem wurde hier mit Brenntorf gehandelt.
Mit den Jahren geriet der Norder Hafen aber immer mehr in den
Hintergrund und der Norddeicher Hafen rückte mehr in den Mittelpunkt für
Wirtschaft und natürlich auch den Tourismus.
Heute liegen hier vor allem kleine private Boote vor Anker. Direkt am
Hafen befindet sich das alte Zollhaus. Ein wunderschönes Gebäude,
welches in den letzten Jahren immer wieder renoviert und restauriert
wurde. Inzwischen befindet sich im alten Zollhaus ein Italiener und
zudem mehrere Privatwohnungen.
Auf dem weiteren Weg unserer
Stadtführung kamen wir dann noch am Packhaus vorbei. In diesem Gebäude
stellen immer wieder Künstler von fern und nah ihre Werke aus.
Kommen wir nun zum letzten und ausführlichsten Teil der Stadtführung.
Dem Norder Marktplatz. Dieser ist einer der ältesten (und schönsten)
baumbestandene Marktplatz Deutschlands. Eingerahmt wird er von vielen
historischen Gebäuden.
Das größte hierbei ist natürlich die Ludgerikirche Norden.
Sie ist die größte Kirche Ostfrieslands.
Ihr Bau begann im Jahre 1235 und wurde endgültig im Jahre 1452 beendet. Die Gesamtlänge der Kirche beträgt ganze 80 Meter.
Innen findet man seit 1692 die zweitgrößte erhaltene
Arp-Schnitger-Orgel und einige weitere kultur- und kunsthistorische
Schätze.
Typisch für Ostfriesland ist übrigens, dass der Glockenturm
der Kirchen neben dem Kirchengebäude steht. So ist es hier bei der
Ludgerikirche ebenfalls.
Gegenüber der Ludgerikirche befindet sich das (neue) Rathaus mit seinem romantischen Balkon.
Links neben dem Rathaus stehen die Dree Süsters - die drei Schwestern -
welches aus drei Backsteinbauten der Renaissance besteht.
Noch
zwei Häuser weiter links befindet sich die Norder Polizeistation (ohne
Foto), die viele vielleicht aus den Ostfrieslandkrimis von Klaus-Peter
Wolf kennen. Diese Krimis spielen nämlich hier in Norden. An
Originalschauplätzen. Da, wo wir also heute langgegangen sind, sind die
Kommissare, aber auch die Mörder aus den Bücher von Klaus-Peter Wolf
schon einige Male ebenfalls entlanggegangen.
Vorne links die Polizei und geradeaus die Stadtbibliothek.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich das Vossenhus.
Ein Haus mit einer langen Geschichte, welches auch schon für die
unterschiedlichsten Zwecke genutzt wurde. Wann genau das Vossenhus
gebaut wurde, ist nicht belegt. Die frühste Urkunde stammt aber aus dem
Jahre 1606.
Zwischen 1781 bis vermutlich 1871 war in dem Haus ein
Gasthof. Aus dieser Zeit stammt auch die Steintafel, die die Front des
Vossenhus schmückt.
Bis 1934 befand sich im Gebäude dann eine Schokoladen-, Marzipan- und Bonbonfabrik.
Bis 1972 wurde es dann zum Sitz einer Landhandelsfirma.
Und eigentlich sollte es dieses Gebäude heute gar nicht mehr geben,
denn ihm drohte der Abriss. Nur durch eine Initiative Freiwilliger
konnte das Vossenhus gerettet und später auch restauriert werden, sodass
dann letztendlich 1983 dort die Stadtbibliothek einziehen konnte, die
dort bis heute drin ist.
Nun und gaaaaanz am Ende des
Marktplatzes befindet sich unter anderem auch das Teemuseum. In
Ostfriesland hat der Tee einen unheimlich hohen Stellenwert. Es gibt
eine ganze Teekultur, ähnlich wie in Japan. Jeder Ostfriese trinkt im
Durchschnitt jährlich etwa 300 Liter Tee. 12x mehr als jeder andere
Deutsche.
Es gibt auch eine Zeremonie in der der Tee getrunken
wird. Der Tee wird in der Regel in kleinen, zarten Teetassen serviert.
Zwar wird auch ein Teelöffel beigelegt, aber dieser sollte keinesfalls
zum umrühren genutzt werden. Er ist dazu da, dem Gastgeber zu
signalisieren, dass man nun keinen Tee mehr nachgeschenkt bekommen
möchte. Dies aber dann auch erst nach der dritten Tasse. Vorher gibt es
als unhöflich.

Bevor der Tee eingeschüttet wird, legt man ein Kluntje - ein großes
Stück Kandiszucker - in die Tasse. Wird der heiße Tee daraufgeschüttet,
knackt der Kluntje. Ein Geräusch, was die Ostfriesen lieben.
Anschließend wird gegen den Uhrzeigersinn Sahne - das Wulkje -
dazugegeben. Diese steigt von unten auf und es sieht aus, als hätte man
eine Wolke in der Tasse.
Im Teemuseum befand sich früher übrigens das alte Rathaus.
So, das war also unsere Stadtführung durch Norden. Es hätte noch sooooo
viel mehr zu sehen gegeben, aber dazu war das Wetter einfach zu
unbeständig und die Zeit zu kurz.
Tja, und dann musste Enno auch schon wieder weiterreisen. Von Norden ging es in die Mitte Deutschlands. Wer seine Reise weiter verfolgen will, der ist in der Gruppe ganz herzlich Willkommen.
Ich find die Idee und auch die Umsetzung echt spannend. Man lernt Orte kennen, von denen man zuvor noch nie etwas gehört hat oder wo man immer schonmal hin wollte.
Das witzigste an der ganzen Sache: ich bin ja schon lange auf der Suche nach einer Figur, mit der ich mal ein Fotoprojekt machen kann. Also genau sowas in der Art, wie jetzt mit Enno. Bisher hatte ich aber nie die richtige Idee, was für eine Figur es sein soll. Aber so langsam reift es in mir, dass ich mir die Figur ja auch selber häkeln kann.
Mal schauen, was es wird. Ihr werdet es ja dann sehen ;)
Nun aber erst einmal ein schönes Restwochenende an euch :)
Bis bald, ihr Lieben :)