Samstag, 20. Mai 2017

Stadtführung mit Erdmännchen

Moin ihr Lieben,

heute erzähle ich euch mal von einer vielleicht etwas verrückten Aktion.
Neben lesen, fotografieren und bloggen gehört ja auch häkeln zu meinen Hobbies. Daher bin ich bei facebook auch in mehreren Häkelgruppen. Dort findet man immer wieder neue Ideen und bekommt Ratschläge bei Problemen. Und manchmal kommen dort auch Aktionen zustande. Wie die von Jenny. Sie hatte die Idee, ein von ihr gehäkeltes Erdmännchen - Enno - auf Deutschlandreise zu schicken und suchte nun "Gasteltern" für den kleinen Mann.



Dazu hat sie dann selber auch eine Facebook-Gruppe gegründet. Diese findet ihr HIER.
Jeder, der wollte, konnte sich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt bei ihr melden und so hat sie dann eine Reiseroute für Enno erstellt. Ziel ist es, dass das Erdmännchen möglichst viele Orte in Deutschland kennen lernt, man ihm Sehenswürdigkeiten etc zeigt und in sein Reisetagebuch schreibt. Bis Weihnachten soll Enno wieder zurück bei Jenny sein.
Klar, dass ich da auch mitmachen wollte. Und so habe ich mich bei Jenny gemeldet und sie hat mich mit auf die Liste geschrieben.
Das tolle: man muss seine Adresse nicht groß weitergeben. Lediglich derjenige, der einem das Erdmännchen weiterschickt, erfährt diese. Außerdem derjenige, bei dem das Paket mit Enno dann ankommt.
Nachdem Enno seit Februar eher im Osten und im Nordosten unterwegs war (mit einem kurzen Abstecher nach Quatar), kam er dann Anfang Mai bei mir an und durfte ein paar Tage bleiben.

Und so habe ich mich dann mit Erdmännchen und Kamera bewaffnet und Enno, sowie allen "Reisebegleitern" in der Gruppe das schöne Städtchen Norden gezeigt.


Zunächst aber bot es sich an Ennos Ankunftstag an, mit ihm nach Norddeich zu radeln, um uns den Sonnenuntergang anzuschauen. Und der war wirklich gewaltig schön!



Wie ich da so im Watt kniete und ein Häkeltier fotografierte, zog schon so einige irritierte Blicke an, aber das war mir egal. Sollten die doch gucken :D



 Ich konnte mich nicht entscheiden, welches der Bilder ich nun einstellen will ;)


Anschließend bin ich mit dem kleinen Kerl noch zum Hafen gegangen und habe ihm die Fähren und Yachten gezeigt.


 

Die zwei Tage drauf waren eher unspektakulär. Ich musste arbeiten und habe das Erdmännchen nur einmal mit in den Laden genommen.


Am Wochenende war dann aber wieder mehr Zeit. Und so habe ich dann mit Enno eine kleine Stadtführung veranstaltet. Das Wetter war leider nicht so berauschend, daher ist die Führung kürzer ausgefallen, als ich wollte. Aber ich kopiere euch meine Texte einfach mal hier rein. Vielleicht könnt ihr ja auch noch etwas über Norden lernen:

Unsere Stadtführung begann bei den Norder Zwillingsmühlen. Bekannt sind ja eher die Greetsieler Zwillingsmühlen - vor allem, nachdem im Jahr 2013 eine der beiden Mühlen schwer beschädigt wurde. Seit dem letzten Sommer ist die Greetsieler Mühle aber wieder vollständig.
Aber wie gesagt, auch Norden hat Zwillingsmühlen. Die Frisia-Mühle beim Einkaufszentrum Norder Tor und die Deichmühle gegenüber. Die Frisia-Mühle ist die jüngere der beiden. Sie steht dort seit etwa 1700 dort an ihrer Stelle.


Die Deichmühle gibt es auch seit dem 16. Jahrhundert. Allerdings soll an der selben stelle bereits seit dem 13. Jahrhundert eine Bockwindmühle gestanden haben, die allerdings zerstört wurde.
Doch so, wie sie jetzt dort steht, gibt es sie erst seit dem Jahr 1900. Dort wurde sie nämlich vom der Familie Meyer gekauft, abgerissen und so, wie sie jetzt dort steht, wieder aufgebaut. Bis heute hat sie weitere Male den Besitzer gewechselt. Seit 1974 ist sie aber im Besitz der Familie Wagner und ist auch wieder voll funktionstüchtig. Sie beherbergt inzwischen eine ganze Reihe historischer Müllermaschinen.


Gegenüber des Norder Tors und der Frisiamühle findet sich kurz vor der Brücke über das Norder Tief übrigens eine riesige Flasche Doornkaat. Doornkaat ist ein dreifach gebrannter Korn, der seit 1806 in Norden gebrannt wurde. Inzwischen ist der Korn deutschlandweit bekannt.


Nicht zuletzt auch durch Hape Kerkelings Figur Horst Schlämmer, der sich gerne mal vor laufender Kamera einen Doornkaat genehmigte. Nachdem das Unternehmen allerdings in den 1970er und 1980er Jahren immer weiter in eine wirtschaftliche Schieflage geriet, wurde Doornkaat 1992 an Berentzen verkauft, die den Korn heute auch weiterhin produzieren.

 Die diversen Unterführungen der Doornkaatstraße führen unter der Fabrik durch

Das alte Brauereigelände liegt seitdem brach und es ist inzwischen auch größtenteils verboten, das Gelände zu betreten, da die Verletzungsgefahr einfach zu hoch ist. Seit einiger Zeit wird in der Stadt wieder heiß diskutiert, was denn nun mit diesem Gelände geschehen soll. Ideen sind viele da, aber so ganz einfach ist es nicht, da das Gelände bzw. die Gebäude zum Teil unter Denkmalschutz stehen.

Nach dem Besuch bei den Mühlen und der Doornkaatflasche waren wir am Norder Hafen.
Früher, als es den Hafen in Norddeich noch nicht gab und auch die Stadt und Wassergrenzen anders verteilt waren, war der Norder Hafen für Norden und umzu wirtschaftlich unheimlich wichtig.
Unter anderem wurde hier mit Brenntorf gehandelt.







Mit den Jahren geriet der Norder Hafen aber immer mehr in den Hintergrund und der Norddeicher Hafen rückte mehr in den Mittelpunkt für Wirtschaft und natürlich auch den Tourismus.
Heute liegen hier vor allem kleine private Boote vor Anker. Direkt am Hafen befindet sich das alte Zollhaus. Ein wunderschönes Gebäude, welches in den letzten Jahren immer wieder renoviert und restauriert wurde. Inzwischen befindet sich im alten Zollhaus ein Italiener und zudem mehrere Privatwohnungen.
Auf dem weiteren Weg unserer Stadtführung kamen wir dann noch am Packhaus vorbei. In diesem Gebäude stellen immer wieder Künstler von fern und nah ihre Werke aus.


Kommen wir nun zum letzten und ausführlichsten Teil der Stadtführung.
Dem Norder Marktplatz. Dieser ist einer der ältesten (und schönsten) baumbestandene Marktplatz Deutschlands. Eingerahmt wird er von vielen historischen Gebäuden.
Das größte hierbei ist natürlich die Ludgerikirche Norden.
Sie ist die größte Kirche Ostfrieslands.






Ihr Bau begann im Jahre 1235 und wurde endgültig im Jahre 1452 beendet. Die Gesamtlänge der Kirche beträgt ganze 80 Meter.
Innen findet man seit 1692 die zweitgrößte erhaltene Arp-Schnitger-Orgel und einige weitere kultur- und kunsthistorische Schätze.
Typisch für Ostfriesland ist übrigens, dass der Glockenturm der Kirchen neben dem Kirchengebäude steht. So ist es hier bei der Ludgerikirche ebenfalls.



Gegenüber der Ludgerikirche befindet sich das (neue) Rathaus mit seinem romantischen Balkon.




Links neben dem Rathaus stehen die Dree Süsters - die drei Schwestern - welches aus drei Backsteinbauten der Renaissance besteht.



Noch zwei Häuser weiter links befindet sich die Norder Polizeistation (ohne Foto), die viele vielleicht aus den Ostfrieslandkrimis von Klaus-Peter Wolf kennen. Diese Krimis spielen nämlich hier in Norden. An Originalschauplätzen. Da, wo wir also heute langgegangen sind, sind die Kommissare, aber auch die Mörder aus den Bücher von Klaus-Peter Wolf schon einige Male ebenfalls entlanggegangen.

 Vorne links die Polizei und geradeaus die Stadtbibliothek.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich das Vossenhus. Ein Haus mit einer langen Geschichte, welches auch schon für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt wurde. Wann genau das Vossenhus gebaut wurde, ist nicht belegt. Die frühste Urkunde stammt aber aus dem Jahre 1606.
Zwischen 1781 bis vermutlich 1871 war in dem Haus ein Gasthof. Aus dieser Zeit stammt auch die Steintafel, die die Front des Vossenhus schmückt.




Bis 1934 befand sich im Gebäude dann eine Schokoladen-, Marzipan- und Bonbonfabrik.
Bis 1972 wurde es dann zum Sitz einer Landhandelsfirma.
Und eigentlich sollte es dieses Gebäude heute gar nicht mehr geben, denn ihm drohte der Abriss. Nur durch eine Initiative Freiwilliger konnte das Vossenhus gerettet und später auch restauriert werden, sodass dann letztendlich 1983 dort die Stadtbibliothek einziehen konnte, die dort bis heute drin ist.
 
Nun und gaaaaanz am Ende des Marktplatzes befindet sich unter anderem auch das Teemuseum. In Ostfriesland hat der Tee einen unheimlich hohen Stellenwert. Es gibt eine ganze Teekultur, ähnlich wie in Japan. Jeder Ostfriese trinkt im Durchschnitt jährlich etwa 300 Liter Tee. 12x mehr als jeder andere Deutsche.
Es gibt auch eine Zeremonie in der der Tee getrunken wird. Der Tee wird in der Regel in kleinen, zarten Teetassen serviert. Zwar wird auch ein Teelöffel beigelegt, aber dieser sollte keinesfalls zum umrühren genutzt werden. Er ist dazu da, dem Gastgeber zu signalisieren, dass man nun keinen Tee mehr nachgeschenkt bekommen möchte. Dies aber dann auch erst nach der dritten Tasse. Vorher gibt es als unhöflich.
 
 
Bevor der Tee eingeschüttet wird, legt man ein Kluntje - ein großes Stück Kandiszucker - in die Tasse. Wird der heiße Tee daraufgeschüttet, knackt der Kluntje. Ein Geräusch, was die Ostfriesen lieben. Anschließend wird gegen den Uhrzeigersinn Sahne - das Wulkje - dazugegeben. Diese steigt von unten auf und es sieht aus, als hätte man eine Wolke in der Tasse.
Im Teemuseum befand sich früher übrigens das alte Rathaus.
So, das war also unsere Stadtführung durch Norden. Es hätte noch sooooo viel mehr zu sehen gegeben, aber dazu war das Wetter einfach zu unbeständig und die Zeit zu kurz.

Tja, und dann musste Enno auch schon wieder weiterreisen. Von Norden ging es in die Mitte Deutschlands. Wer seine Reise weiter verfolgen will, der ist in der Gruppe ganz herzlich Willkommen.
Ich find die Idee und auch die Umsetzung echt spannend. Man lernt Orte kennen, von denen man zuvor noch  nie etwas gehört hat oder wo man immer schonmal hin wollte.

Das witzigste an der ganzen Sache: ich bin ja schon lange auf der Suche nach einer Figur, mit der ich mal ein Fotoprojekt machen kann. Also genau sowas in der Art, wie jetzt mit Enno. Bisher hatte ich aber nie die richtige Idee, was für eine Figur es sein soll. Aber so langsam reift es in mir, dass ich mir die Figur ja auch selber häkeln kann.
Mal schauen, was es wird. Ihr werdet es ja dann sehen ;)

Nun aber erst einmal ein schönes Restwochenende an euch :)

Bis bald, ihr Lieben :)

2 Kommentare:

  1. Toll beschrieben und schöne Fotos. ..danke ...

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  2. Was für ein schöner Beitrag. Die Fotos sind klasse und du hast wirklich alles super erklärt.
    Ich wünsche mir mehr solcher Geschichten.
    LG
    Su

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