Sonntag, 28. Juni 2015

Was für ein Theater!

Moin ihr Lieben,

heute gibt es mal wieder etwas Kultur von mir.
Ich war nämlich gestern im Theater. Eigentlich „nur“ zum arbeiten. Ne, ich bin nicht unter die Schauspieler gegangen. Zu Gast in Norden war „Wolfs Reviertheater“. Gegründet wurde Wolfs Reviertheater im Jahre 2005 von Michael Hoch (der nicht nur Schauspieler, sondern auch Regisseur und Autor ist). Er hatte die Idee, einen Film von Klaus-Peter Wolf – „unserem“ Ostfriesenkrimiautoren – auf die Bühne zu bringen. Dieser willigte ein und das war die Geburtsstunde von Wolfs Reviertheater (wer mehr darüber erfahren möchte, der klicke HIER)
Und zum 10-jährigen Bestehen gab es dann gestern eben die Aufführung von „Der Seher“ in Norden.
Wir hatten an diesem Abend einen Büchertisch mit den Büchern von Klaus-Peter Wolf und auch den CDs seiner Frau Bettina Göschl.
Ich hatte ja gehofft, dass ich mal kurz ins Stück reinlünkern kann, da ja keiner Bücher kaufen will, wenn im Theatersaal die Aufführung ist.
Und schon die Beschreibung des Stücks klang sehr spannend.

„Der Seher“ handelt von dem Geistheiler Francesco Martini, der die junge Sandra behandelt und versucht, sie von ihren epileptischen Anfällen zu heilen.
Sandras Mutter unterstützt sie darin. Ihr Stiefvater Andreas Neuner hingegen hält das ganze für Humbug und Geldverschwenderei und will Sandra lieber vom Chirurgen Dr. Brendebach operieren lassen.
Die Spannungen innerhalb der wohlhabenden Familie drohen diese zu zerstören und es kommt sogar soweit, dass Sandras Mutter ihrem Mann die Anteile ihrer Firma entzieht.
Kurz darauf hat Doris jedoch einen Unfall und fällt ins Koma. Sandra macht sich riesige Vorwürfe, dass sie für den Unfall mitverantwortlich sein könnte. Als ihre Mutter dann auch noch stirbt bricht für sie eine Welt zusammen.
Doch ist sie Schuld am Tod ihrer Mutter? Oder vielleicht doch Martini, der versucht hat, sie mit spirituellen Mitteln ins Leben zurückzuholen? Oder gar Andreas Neuner, der nicht akzeptieren konnte, plötzlich komplett mittellos dazustehen, nachdem seine Ehe zerbrochen war?

Wie ihr vielleicht merkt, habe ich nicht nur mal reingelünkert, wie ich es zunächst gehofft hatte.
Vitamin B ist doch echt praktisch. Und wenn man bei so einer Veranstaltung den Autoren des Stückes gut kennt und mit seiner Frau sogar schon per du ist, dann kann es auch schon mal vorkommen, dass man plötzlich mit seiner Kollegin während der Aufführung in der zweiten Reihe direkt hinter all den wichtigen Menschen sitzt und sich die Aufführung in Ruhe anschauen kann. Klaus-Peter Wolf hatte nämlich organisiert, dass unser Büchertisch direkt neben dem Theaterkiosk steht und die Mitarbeiter dort ein wachsames Auge drauf haben. Und nicht nur das… Wir wurden von ihm persönlich zu unserem Platz geleitet. Da kommt man sich schon mal kurz etwas wichtig vor :D

Zu Beginn hat Herr Wolf einige einführenden Worte zur Entstehung dieses Stücks gesagt. 


 Und Bettina hat eines ihrer Lieder gespielt (dieses Mal kein Kinderlied, sondern ein wunderschönes Lied für die Großen). Das Lied heißt "Sehnsüchte eines Steins" (Text HIER) und es passt wie die sprichwörtliche Faust auf Auge. Denn auch in dem Stück ging es im Grunde viel um Sehnsüchte. Die Sehnsucht nach Heilung, die Sehnsucht nach Anerkennung, die Sehnsucht nach Reichtum.


Und dann ging es los. Ich war jetzt noch nicht oft im Theater. Genau genommen bisher immer nur im Schülertheater… Aber wenn Theater immer so ist, wie gestern, dann wird es sicherlich auch nicht das letzte Mal gewesen sein.


Die Schauspieler haben das wirklich toll gemacht. Ich muss sagen, dass ich Theaterschauspieler noch viel mehr bewundere als Filmschauspieler. Im Theater kann man nicht mal eben sagen: „Cut – wir machen das noch einmal. Aber diesmal mit mehr Emotion.“. Da muss es direkt klappen. Und in meinen Laienaugen hat das auch wunderbar geklappt. Da flog zwar bei einem Wut- und Verzweiflungsanfall schon mal der Mülleimer von der Bühne, aber was solls ;)


 Besonders charmant fand ich auch die kleinen Details, die eingearbeitet wurden. So kam die Schauspielerin der Marion mit einem Stapel Klaus-Peter Wolf – Büchern auf die Bühne und hat Martini davon erzählt (Wolf hat mir im Nachhinein erzählt, dass das nicht im Drehbuch stand, sondern die Schauspieler sich das selber ausgedacht haben). Oder es wird der „Spiegel“ aus dem letzten September ausgepackt, welcher eine Titelstory über Kafka beinhaltete, die groß mit „DER SEHER“ angekündigt wurde. 


  Wenn man genau hinschaut, sieht man hier das Spiegel-Cover ;)

Derartige Kleinigkeiten finde ich ja großartig.

Am Ende dieses wundervollen Abends gab es für die Schauspieler und Macher Standing Ovations und einen Rosenregen. Und das wirklich verdient!

Da waren sie einfach alle zu schwungvoll für meine Kamera... Das war noch das beste Bild ;)

Viel haben meine Kollegin und ich davon aber nicht mitbekommen, da wir recht schnell wieder zu unseren Büchern geflitzt sind, als wir merkten, dass die ersten Zuschauer raus gehen.
Alles in allem war es ein toller Abend. Ich bereue es definitiv nicht, mich dazu bereit erklärt zu haben, den Büchertisch zu betreuen. Wer kann schon von sich behaupten, sich während der Arbeitszeit ein Theaterstück angeschaut zu haben ;)

 In der Pause haben wir fleißig verkauft und Klaus-Peter Wolf und Bettina Göschl ebenso fleißig signiert. Und wer denkt, dass die Zuschauer nur aus Norden und der näheren Umgebung kamen, der irrt. Menschen aus dem Ammerland und Hamburg waren genau so vertreten. Auch ein paar Urlauber aus meiner alten Heimat haben die Chance genutzt, sich das Theaterstück hier anzuschauen.

Das finde ich einfach so toll an meinem Job als Buchhändlerin. Wenn man es richtig anstellt ist das nämlich deutlich mehr als „nur im Laden stehen“. Man trifft nicht nur viele Menschen als Kunden, sondern auch immer wieder die Autoren der Bücher, die man verkauft. Entweder durch eigene Veranstaltungen, durch solche Büchertische oder eben auf den Buchmessen.

So, und nun widme ich mich wieder meinem Haushalt und meinem Hörbuch. Gleichzeitig. Das ist das praktische an den Hörbüchern ;)

Bis bald ihr Lieben!

Kommentare:

  1. Vielen vielen lieben Dank für diesen Beitrag. Blogs und Kritiken wie diese lassen das Theater weiterleben. Sie sind existentiell. Besonders die Erwähnung der Details hat mich sehr erfreut. Da ist eine Idee, eine Besonderheit, von der man nie weiß, wie weit sie wahrgenommen wird oder ob sie gar auf einer großen Bühne schlichtweg verloren geht. Dieser Blogbeitrag ist für uns sehr wertvoll und motiviert.
    Michael Hoch und das Wolfs Reviertheater.

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    1. Hallo Herr Hoch,

      wie toll, dass Sie den Weg hierher und den Artikel gefunden haben :)
      Was mich an Bühnenstücken (ob Theater, Oper oder Musical) ist einfach, dass dem Zuschauer die Möglichkeit gegeben wird, sich während des Schauspiels auf der Bühne umzuschauen. Die Protagonisten auch mal aus den Augen zu lassen und zu schauen, was sich im Hintergrund abspielt. Und dadurch dann eben solche Details zu entdecken.
      Wenn ich das mit Filmen vergleiche, ist dort das Erfassen der Situation doch sehr vorgegeben und man focussiert sich auf das, auf was man sich durch Kameraführung etc. focussieren soll. Ist die Landschauft wichtig, wird auf die Landschaft geschwenkt. Sind die Protagonisten wichtig, werden diese groß eingeblendet. Und auch darin sehe ich eben die Kunst des Bühnenspiels. Eben dass der Zuschauer selber entscheidne kann, wo er hinschauen möchte.

      Und wer weiss, wie viele Details ich noch übersehen habe, weil ich gerade mit den Blicken woanders war. ;)

      Herzliche Grüße!

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